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Kreischa mit Oelsa, Possendorf, Rabenau und Seifersdorf im Ev. - Luth. Kirchspiel Kreischa - Seifersdorf

Jahreslosung 2015

Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob.
                            

Römer 15, 7 (L)

 


Du sollst nicht töten! (2. Mose 20,13) - Oder: Ist die Welt ohne Religionen besser dran?

Liebe Leserinnen und Leser!

Die 10 Gebote. Sie gehören zum Grundbestand christlicher Lebensethik. Leicht zu merken, für jeden Finger ein Gebot, ganz bewusst, damit man sie gut abzählen kann und damit auch in seinem Kopf und Herz behält. Eigentlich nicht schwer. Sie markieren sozusagen die Grundregeln menschlichen Zusammenlebens. Sie wollen es gelingen lassen. 

Das 5. Gebot lautet: Du sollst nicht töten. Auch das lässt sich als 5. Gebot leicht merken. 5 – das ist die volle Hand, die man zur Faust ballen kann, ein Ursignal von Drohung und Gewalt. Und dann sind da die vielen Nachrichten, Woche für Woche, wo Menschen im Namen eines Gottes in den Krieg ziehen und mit religiöser Inbrunst morden. Berichte von Überlebenden, die ich als Mails über die Landeskirche erhalte, kann ich nicht bis zu Ende lesen. Es ist wie Dantes Inferno, ein blutrünstiges, endlos quälendes Massenschlachten, vom Kleinkind bis zum Greis. Unter den IS-Kämpfern ist noch ein junger Mann aus unserer Gegend. Mit einem seiner Schulfreunde traf ich mich, er zeigte mir die Facebookchats, die bei mir den fahlen Geschmack eines total an Gott und Religion irregewordenen Menschen hinterließen. Religion und Frieden, wie weit klafft das hier auseinander, wie fassungslos stehen wir daneben. Und viele fragen dann: Wäre eine Welt nicht ohne Religion friedlicher dran?

Es ist nicht falsch: Den Weltfrieden hat die Religion, auch die christliche, nicht gebracht. Im Namen Gottes wird und wurde seit jeher gemetzelt. Fast scheint es so: Dann lässt es sich besonders gut töten, auch wenn die Religion noch so viel von Frieden spricht oder wie beim Wort Islam übersetzt sogar Frieden heißt. Die Hemmschwelle, für eine Überzeugung zu töten, sinkt. Dann ist es ja nicht mehr mein Wille, sondern der einer größeren Wahrheit und ich bin nur noch der Vollstrecker. Wäre die Welt nicht ohne Religion besser dran?

Ich glaube das nicht. Auch wenn es wahr ist: Die Kirche hat in ihrer Geschichte Schuld auf sich geladen. Auch in der Bibel gibt es Abschnitte, die das Töten von Sündern fordern. Und mit ihnen in der Hand wurde so manches legitimiert. Daran sieht man übrigens, was geschehen kann, wenn Menschen die Bibel als Steinbruch benutzen, ohne Sinn und Verstand einzelne Verse herausgreifen, um sie für ihr Handeln als Begründung zu nehmen.

Doch „religionslos sein“ ist genau so wenig ein Garant fürs nicht töten oder gar einer toleranteren, aufgeklärteren Haltung, wie „religiös sein“. Die Despoten der Neuzeit, egal wo, waren in ihrer großen Mehrheit Atheisten. Vielmehr zeigt sich doch gerade daran: Religionen werden allzuschnell benutzt, weil der menschlichen Sehnsucht nach etwas Höheren die Kraft innewohnt, Menschen zu binden. Religionen werden von Menschen benutzt, um ihre Machtinteressen und Ziele durchzusetzen. Es ist ein menschliches Problem, was sich im zuwiderhandeln des 5. Gebotes zeigt. 

In der Bergpredigt wird uns Jesu Deutung des 5. Gebotes überliefert: „Ihr habt gehört, Du sollst nicht töten«; wer aber tötet, der soll des Gerichts schuldig sein. Ich aber sage euch: Wer mit seinem Bruder zürnt, der ist des Gerichts schuldig. Darum: wenn du deine Gabe auf dem Altar opferst und dort kommt dir in den Sinn, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, so lass dort vor dem Altar deine Gabe und geh zuerst hin und versöhne dich mit deinem Bruder.“ (Matthäus 5, 21-24)

Töten beginnt nach Jesus nicht damit, dass jemand das Messer zückt, sondern in einem jedem Menschenherz mit den allgemeinmenschlichen Gefühlen und Empfindungen wie Zorn, Ärger, Missgunst, Neid, Angst, Hass. Und keiner kann sagen, dass er das nicht von sich her kenne. Anders gesagt: Auch der Friedfertigste hat keine Garantie, dass er nicht unter bestimmten Umständen von seinen Empfindungen überwältigt wird, selbst wenn es die sind, die wir mit ehrlicher Überzeugung von ganzem Herzen ablehnen. Unsere vielgerühmte Kulturschicht ist wesentlich dünner, als wir denken. 

Aber ich glaube, nur wer sich auch in seinen bösen Seiten zumindest erahnt, hat auch die Möglichkeit, sich vom Bösen nicht überwinden zu lassen. Der wird sich zweimal fragen, warum er was wie macht, weil er um seine Grenzen weiß. Denn auch das liegt in den Worten Jesu drin: Gedanken schaffen Wirklichkeit. Wonach wir uns in unserem Denken und Trachten hinwenden, auf diesen Weg begeben wir uns. In den meisten Situationen, wo in uns diese Empfindungen wach werden, um die es Jesus geht, geht es letztlich auch um eine Entscheidung, wie wir in einer Situation reagieren und wie wir mit unseren Empfindungen umgehen wollen. Frieden verwirklichen beginnt in uns und erst darüber hinaus beginnt er in unserem Umkreis zu wachsen. 

Mit dem 5. Gebot ist ein Gedanke in die Welt gekommen: Du sollst nicht töten. Und es ist dieser Gedanke, der nun seinerseits auch nicht totzukriegen ist. Davon zu wissen ist für mich keineswegs eine Selbstverständlichkeit. Im alten Rom war ein Mensch nichts, jeder Herr konnte seinen Sklaven selbstverständlich erschlagen, demütigen, foltern, nach Herzenslust. Die damalige Gesellschaft, wie eben fast alle antiken – außer der jüdischen – haben über das Tötungsverbot nur lachen können. Und im Grunde bis vor wenigen Jahrzehnten war das Gebot „Du sollst nicht töten“ selbst in der westlichen Welt bei weitem nicht allgemeingültig anerkannt. 

Im Gegenzug gab es Menschen, die aus ihrem Glauben heraus, oft auch im Selbstopfer, sich für die Verwirklichung des Gebotes in ihrer Zeit stark gemacht haben. Der Hexenwahn im Mittelalter wurde zuerst von einem Jesuiten namens Friedrich Spee öffentlich kritisiert, der dafür gleich von der Mehrheit der Zeitgenossen geächtet wurde. Es war ein frommer Missionar, der den König von Spanien um Einhalt bei der Verfolgung der Indianer bat und die grausigen Zustände schilderte. Durch ihn wissen wir überhaupt diese Details des damaligen Genozides. Der Humanismus geht auf Erasmus von Rotterdam zurück. Seine Lebenshaltung wurzelte im Gedanken der christlichen Nächstenliebe. Heute meinen viele, man könne Humanismus von christlichen Glauben trennen, er erhält sich selbst als Wert. Doch was passiert, wenn man einem Baum die Wurzel abschlägt? Schließlich: Es war auch Martin Luther King, der unter Einsatz seines Lebens einen Traum in die Welt setzte, der sich im Grunde erst in den letzten Jahren wirklich verwirklicht hat, und das auch noch nicht in allen Köpfen. 

Ein Gedanke ist seit dem in die Welt gekommen, eine andere Sichtweise, als die offenbar natürliche unter uns Menschen, die da heißt: Fressen und gefressen werden. Die Schwachen wandern den Starken ins Maul. Es ist letztlich der Gedanke der Gnade. Und dieser Gedanke hat die Welt verändert. Gedanken schaffen Wirklichkeit. Es beginnt auch hier im Kleinen, im Herzen eines Menschen, um von hier aus in einem jeden Umkreis zu wachsen.

Im Namen auch der Mitarbeiter und Kirchgemeindevertreter verbleibe ich mit herzlichen Grüßen als Ihr Pfarrer Konrad Adolph

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