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Kreischa mit Oelsa, Possendorf, Rabenau und Seifersdorf im Ev. - Luth. Kirchspiel Kreischa - Seifersdorf

Jahreslosung 2016

Gott spricht: Ich will euch trösten, wie eine Mutter tröstet.
                            

Jesaja 66, 13

 


 

Im Wonnemonat Mai liegt dieses Jahr unser Pfingstfest. In der kirchlichen Tradition sind zu diesem Feiertag zwei Bibelgeschichten zentral. Zum einen die Erzählung vom Turmbau zu Babel: In grauer Urzeit kommen die Menschen auf die Idee, einen Turm bauen zu wollen, der bis an den Himmel reicht. Doch das schaffen sie nicht. Sondern nur, dass die Menschen einander nicht mehr verstehen. 
Die andere Geschichte steht in der Apostelgeschichte des Lukas, und sie ist sozusagen die positive Gegengeschichte dazu: Kurz nach Jesu Himmelfahrt kommen die Menschen außerhalb der Stadt Jerusalems zusammen. Der Heilige Geist fährt hernieder und schafft das scheinbar Unmögliche: Menschen, trotz dessen, dass sie alle nach wie vor unterschiedliche Muttersprachen haben, können einander verstehen. Ein Wunder! Aber real? Welche Sprache wird denn von uns Menschen verstanden, rund um den Globus, egal mit welcher Muttersprache?

Vor einigen Jahren kam ein Film „Babel“ in den Kinos, der genau dies auf seine Weise zu beantworten suchte. 5 verschiedene Menschengruppen (= 5 Kontinente) werden hier miteinander verbunden.

Ein Japaner hat durch Suizid seine Frau verloren. Darauf fliegt er nach Marokko um dort zu jagen. Nach der Jagd schenkt er sein Gewehr dem marokkanischen Jagdführer. Dieser hat zwei Söhne, die in Konkurrenz zueinander stehen. Eines Tages nehmen sie die Waffe, wollen testen, wer der Größere von beiden ist, wer am besten schießen kann. In der Ferne fährt ein Reisebus. Es kommt, wie es kommen muss. Einer der Jungs trifft unbeabsichtigt eine Amerikanerin. Sie wird schwer verwundet und ihr Mann versucht das Unmögliche: Die Rettung seiner Frau in dieser Einöde. Sie haben in den USA ihre beiden Kinder unter der Obhut der mexikanischen Haushälterin gelassen. Nun verzögert sich der Rückflug. Doch prompt in dieser Zeit heiratet die Tochter der Haushälterin in Mexiko. Kurzerhand nimmt sie die Kinder mit. Die Fahrt führt schließlich ins Fiasko. An der Grenze sollen die Ausweise gezeigt werden. Der Fahrer dreht durch, fährt in die Wüste, wo er die Haushälterin samt Kindern absetzt, die dann am folgenden Tag die Orientierung und aufgrund der Hitze bald darauf die Besinnung verlieren. Für manche in diesem Film geht die Geschichte noch mit einem blauen Auge aus, für andere nicht mal mehr das.

Fünf Menschengruppen, in aller Welt verstreut, und doch miteinander verbunden, ohne dass sie sich wirklich kennen würden. Und das durch eine Waffe. Welche Sprache wird in dieser Welt verstanden? Es ist eine niederschmetternde Antwort, die der Film gibt: Die Sprache der Gewalt. Und man denke dabei nicht nur an tatsächliche Waffengewalt. Auch Worte, auch Ignoranz, Intoleranz, Materialismus oder Größenwahn können wie Waffen sein. Traurig, denn diese Sprache wird für mein Empfinden viel zu oft gesprochen. Und der biblische Turmbaubericht zeigt: Diese Sprache ist offensichtlich eine der ältesten Sprachen der Welt.

Nun ist es immer leicht, Dinge zu beklagen. Etwas Positives zu sagen dagegen schon schwerer. Kurz: Ob das Pfingstwunder von vor 2000 Jahren auch für uns erfahrbar wird – dass Menschen, auch wenn sie unterschiedlicher Herkunft, Prägung und Sprache sind, eine Sprache finden, die Verstehen schafft?

Für mich eine der nachhaltigsten Begegnungen in dieser Hinsicht fand beim Kirchentag in Dresden statt. Damals lernte ich bei einem Workshop einen Bischof aus Ägypten kennen. Bekanntermaßen leben Christen in diesem Land nicht gerade sicher, um es einmal vorsichtig zu formulieren. Und auch der Bischof selbst war in vielerlei Hinsicht von Übergriffen und Gewalt betroffen. Doch das Beeindruckende war nicht, was er über die Zustände in seinem Land berichtete. Das Beeindruckende war, dass ausgerechnet er eine Sprache ohne Bitterkeit oder Hass zu sprechen vermochte. Und im weiteren Verlauf ist es mir  in großer Deutlichkeit bewusst geworden, dass gerade unsere christlichen Werte eine Sprache lehren können, deren Chancen und Möglichkeiten wir vielleicht unterschätzen.

Denn zu dieser Sprache gehört die Möglichkeit, den anderen, seinen Nächsten, den Fremden, den Andersartigen anzusehen, genauer: anzuerkennen. Und natürlich: Wo Menschen genau hinschauen,  dort sehen sie niemals nur das Erfreuliche und Schöne, sondern immer auch das Störende, die Fehler, das Böse. Aber wir müssen niemanden bekämpfen oder verteufeln, sondern können in ihm immer, auch biblisch gesprochen, das Kind Gottes sehen: Eben als Mensch gelten lassen, unabhängig von unserer Sympathie oder Antipathie. 

Zu dieser Sprache gehört auch die Möglichkeit, einander vergeben zu können, eine Sache wirklich aus dem Weg zu räumen und nicht fein säuberlich im Gedächtnis aufzubewahren.

Und schließlich gehört zu dieser Sprache auch die Möglichkeit des Friedens. Von den beiden biblischen Geschichten aus gesehen, möchte ich es so sagen: Wir dürfen uns wichtig nehmen, auch unsere Wünsche, unsere Bedürfnisse und Ziele. Aber wir brauchen uns nicht allzu wichtig nehmen. Es muss nicht immer nach unserem Willen gehen. Im Licht des Geistes Gottes können wir erkennen, dass wir selbst von göttlicher Vollkommenheit weit entfernt sind und unsere Meinung oft auch korrekturbedürftig ist. Der Geist Gottes will wegführen, weg von den Selbstgesprächen, bei denen ununterbrochen das gesagt wird, was wir schon hundertmal gesagt haben, weg von dem Schubladensystem in den Köpfen, dem beständigen Beneiden, Vergleichen und aller Angstmacherei.

Gewiss ist es im Einzelnen, im Detail für uns nicht nur einfach, diese Sprache von Pfingsten zu sprechen. Wir müssen sie wohl immer wieder neu suchen, finden, sprechen und manchmal auch ganz schön durchbuchstabieren. Aber wo sie laut wird, wo sie gehört und gesprochen wird, bleibt sie nie folgenlos. Denn im Grunde ist es die Sprache, nach der sich (fast) jeder Mensch sehnt, egal auf welchem Teil der Erde!

Ihnen allen ein gesegnetes Pfingstfest, Ihr Pfarrer Konrad Adolph


Aktion „Licht an für Menschlichkeit“

Am Sonntagabend eine Kerze ins Fenster stellen

Angesichts der angespannten gesellschaftlichen Lage und der zunehmend aggressiver werdenden Auseinandersetzungen um Fragen der gegenwärtigen Flüchtlingspolitik haben die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens und das katholische Bistum Dresden-Meißen in Dresden gemeinsam zu einem respektvollen Umgang innerhalb unserer Gesellschaft, insbesondere gegenüber Notleidenden, aufgerufen.

Die Kirchen laden alle dazu ein, mit einer Kerze im Fenster an jedem Sonntagabend ein Zeichen der ganz persönlichen Zustimmung zu einem menschlichen Umgang miteinander zu setzen. Darüber hinaus kann die Aktion mit Plakaten, Postkarten und Aufklebern verbreitet und unterstützt werden. 

Rückblickend auf die Ereignisse im Herbst 1989 sehen sich die Kirchen auch heute in der Pflicht, mitten in der Gesellschaft dem damaligen Zuruf „Keine Gewalt!“ durch den Kerzenschein erneut Ausdruck zu verleihen. 

Die gemeinsame Initiative „Licht an für Menschlichkeit“ wirbt für die Einhaltung demokratischer Grundregeln und für die damit untrennbar verbundene Achtung eines jeden Menschen. Drohungen und Gewalt gegen Andersdenkende, Journalisten, Politiker, Flüchtlinge, Helferinnen und Helfer zerstören die Grundlagen unserer demokratischen Kultur und stehen im Gegensatz zur christlichen Botschaft der Nächstenliebe und Gewaltlosigkeit.

Landesbischof Dr. Carsten Rentzing fand in seiner Predigt am 25. Oktober in der Dresdner Frauenkirche deutliche Worte: „Wir werden als Kirche Jesu Christi nicht stumm danebenstehen, wenn geistige Brandstifter durch unser Land ziehen und eine Stimmung des Unfriedens und der Unversöhnlichkeit sich ausbreitet. Wir werden Lichter der Menschlichkeit entzünden, wir werden den Ruf des Friedens und der Versöhnung dagegensetzen und immer wieder ertönen lassen.“

Der Diözesanadministrator des Bistums Dresden-Meißen, Andreas Kutschke, betont: „Millionen Menschen sind derzeit weltweit auf der Flucht. In einer globalisierten Welt lassen sich Probleme nicht einfach „ausgrenzen“. Als christliche Kirchen haben wir den Auftrag, die Botschaft Jesu der Nächstenliebe und der Geschwisterlichkeit in der Welt von heute zu bezeugen und zu leben. Unsere gemeinsame Initiative kann ein hoffnungsvoller Impuls dazu sein.“ Die gemeinsame kirchliche Aktion soll deutlich machen, dass das Gebot der Menschlichkeit allen gegenüber gilt. Menschlichkeit bedeute dabei zum einen, den Menschen vor Ort zuzuhören und ihre Sorgen ernst zu nehmen. Zum anderen bedeute sie auch die konkrete Unterstützung und Hilfe für alle diejenigen, deren Not wir sehen und erleben. 

Landesbischof Dr. Carsten Rentzing: „Der Grundsatz der Menschlichkeit ist in der christlichen Botschaft tief verwurzelt, aber er besitzt auch darüber hinaus Gültigkeit. Nur so können wir ein positives gesellschaftliches Klima schaffen, welches wir gerade in herausfordernden Zeiten so dringend brauchen, um die anstehenden Sachfragen zu lösen.“ 

www.lichtanfuermenschlichkeit.de

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