Kreischa mit Oelsa, Possendorf, Rabenau und Seifersdorf im Ev. - Luth. Kirchspiel Kreischa - Seifersdorf
Jesus Christus spricht:
Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.
2. Korinther 12,9
Liebe Leserinnen, liebe Leser!
Vielleicht können Sie sich erinnern? Letztes Jahr, im Kreischaer Boten Ausgabe Februar, habe ich über die Entstehung des Weltgebetstages geschrieben. Der WGT kommt aus den USA. Heute nehmen ca. 1 Mio. Menschen in den verschiedenen Ländern am ersten Freitag im März an den ökumenischen Gottesdiensten teil.
Wir in Kreischa haben eine Vorbereitungsgruppe, die sich im Januar an die Ausarbeitung und Gestaltung des WGT-abends herantastet. Es wird viel über das WGT-Land gelesen, ausgewählt und zusammengefügt, damit für alle Altersgruppen der Abend interessant und informativ wird. Dieses Jahr werden Sie über das Land MALAYSIA genaueres erfahren. Unter dem Thema
geben die Frauen aus Malaysia Einblick in ihr Land.
Schon jetzt wissen wir, dass es sich lohnt über dieses Land etwas zu erfahren. Malaysia ist seit 1957 unabhängig. Es gilt als wirtschaftlich aufstrebend und ist als konstitutionelle Wahlmonarchie weltweit einzig. Seine Hauptstadt Kuala Lumpur liegt in Westmalaysia, wo ca. 80% der Bevölkerung leben. Im viel größeren Ostmalaysia, das auf Borneo liegt, leben besonders indigene Völker mit einem hohen Christenanteil.
Jedes Jahr stellen wir fest, dass das Komitee des WGT interessante Bibelstellen heraussucht, die sie in die Liturgie des Abends einarbeiten. Dieses Jahr ist es der Prophet Habakuk. Mit ihm versuchen die Frauen aus Malaysia die Kritik zu üben, die sie in ihrem Land nicht öffentlich werden lassen können, denn es ist gefährlich über die Ungerechtigkeiten zu sprechen. Ich habe mir das Buch Habakuk vorgenommen und gelesen. Es hat nur drei Kapitel! Aus heutiger Sicht ist die Art und Weise, wie der Prophet Habakuk zu Gott und über Gott spricht, aus zwei Gründen ungewöhnlich. Dies ist zum einen, die offene Kritik des Propheten an Gott und zum zweiten, die Gewalt, die auch Gott bei seinem Eingreifen gegen das Unrecht ausübt. Es gibt eine ganze Anzahl biblischer Texte, in denen Gott als Gewalttäter dargestellt wird. Viele christliche Menschen lehnen solche Bilder ab, weil diese Bilder ihr religiöses Empfinden stören, weil sie ihrem Bild von Gott widersprechen. Andere, die die Hintergründe solcher Texte nicht kennen, können und wollen an einen derartig gewalttätigen Gott nicht glauben. Zu ihrer Entstehungszeit hatten solche Bilder allerdings einen anderen Sinn, sie dienten dazu, die Gewalterfahrungen auszusprechen und zu deuten, die die Menschen damals erlitten. Zu damaliger Zeit wurde alles, was in der Welt geschah, auf Gottes Willen zurückgeführt – Gutes wie Schlechtes. Gott schenkt Gutes, Gedeihen und Erfolg. Aber auch Krieg, soziale Ungerechtigkeit und Unrecht müssen zu Gott in Beziehung gesetzt werden. Das Schlechte kann Gottes Strafe sein, verweigerter Segen, aber auch Teil eines größeren göttlichen Plans (wie bei Habakuk), der schließlich zum Guten führt. Wichtig ist, dass diese Deutung von erlittener Gewalt es ermöglicht, mit Gott über sie zu sprechen. Gewalt ist kein „Pech“ oder „Schicksal“, sondern hat einen Urheber, und man kann sich mit Gott über sie auseinandersetzen. Wenn jemand zu Gott über erlittene Gewalt klagt, dann bewahrt und stärkt er oder sie auch die Wahrnehmung, dass Gewalt Unrecht ist. Wenn Opfer von Gewalt klagen können, dann müssen sie ihr Leid nicht stumm und passiv ertragen, sondern sie können aktiv darüber sprechen und dadurch vielleicht neuen Mut zum Handeln schöpfen. Uns können solche Texte auch heute noch helfen, einen Zugang zu finden, über Gewalt zu sprechen und zu klagen, vor allem dann, wenn uns die Worte fehlen. Die Bibel bleibt somit immer wieder ein Lehrbuch. Die Texte, können in vielen Lebenssituationen helfen, wenn sie richtig gedeutet werden.
Es liegt nun ganz bei Ihnen ob Sie einen Zugang finden. Wir laden Sie
zum Weltgebetsabend am Freitag, 2. März, 18.00 Uhr in das Pfarrhaus Kreischa
herzlich ein.
Ich kann Ihnen schon jetzt versprechen, dass es in jeder Hinsicht ein besonderer Abend, nicht nur durch die malayischen Köstlichkeiten, wird!
Es grüßt Sie ganz herzlich mit dem malayischen Friedensgruß „Selamat Datang“
Ihre Gemeindepädagogin Kerstin Wrana.